Gemeindeleben in besonderen Zeiten… – Ein Update

Wie wirkt und lebt unsere Gemeinde weiter in diesen besonderen Zeiten? Was hat sich geändert unter den Corona-bedingten Einschränkungen? Bereits in unserer letz-ten Ausgabe haben wir dazu kurz Stellung genommen. Nun der Versuch, ein etwas umfassenderes Bild der veränderten Lage zu zeigen – nicht ohne das Wissen, dass zum Zeitpunkt, an dem Sie diese Zeilen lesen werden, schon so manches wieder überholt sein dürfte. Denn dies ist das für mich erste und prägendste Kennzeichen dieser Zeit: Die ständige, fast zweiwöchentliche Aktualisierung aller Hygienebestim-mungen des Landes NRW. Und damit verbunden unser Versuch, Vorgaben von außen umzusetzen und möglichst schnell immer und immer wieder neue Türchen aufzuma-chen für ein gemeinschaftliches Miteinander.

– Gottesdienste wurden durch „Basis-Gottesdienste“ ersetzt, eine verkürzte liturgi-sche Form mit strengen Hygieneauflagen und deutlich reduzierter Besu-cher*innenzahl – manchmal in der Kirche oder auch im Gemeindegarten. Wir haben versucht, über die „ErMUTigungen zum Tage“ hoffnungsvolle Verkündigung in die Haushalte zu versenden. Außerdem haben wir uns an etwas völlig Neues herange-wagt: Online-Gottesdienste, die wir seit Ostersonntag dreimal mit außergewöhnlich vielen Menschen gefeiert haben. Ein Konzept zur dauerhaften Etablierung dieses Angebots wird nun durch den Ausschuss für Theologie, Gottesdienst und Kirchenmu-sik erarbeitet. Seit Mitte Juli sind wir wieder zu einer Gottesdienstform zurückge-kehrt, die fast den vertrauten sonntäglichen Ablauf darstellt. Nur auf das gemein-schaftliche Singen muss noch verzichtet werden und Platzkarten sind nötig. Ein „ge-wohntes“ Abendmahl zu feiern war und ist immer noch nicht möglich. Daher haben wir 100 Einzelkelche angeschafft, mit denen an einzelnen Sonntagen in der Maria-Magdalena-Kirche das Abendmahl in veränderter Gestalt gefeiert werden kann (s. S. 38-40 dieser Ausgabe). Durch diese zahlreichen Umstellungen mussten wir leider auch immer wieder den Gottesdienstplan anpassen.

– Die Konfirmationen wurden auf Anfang September verlegt und werden nun in klei-neren Gruppen gefeiert. Die Gruppenstunden mit den Jugendlichen mussten
ausfallen bzw. es wurde „virtueller Kontakt“ über Videokonferenzen gehalten.

Nach den Ferien wird dieser Faden wieder aufgenommen – dann starten auch die „neuen Konfis“, die hoffentlich im Frühjahr 2021 konfirmiert werden kön-nen. Das Konfi-Camp 2020 kann leider nicht wie geplant stattfinden. Jeder Ge-meindebezirk bemüht sich, dafür eine passende und realistische Ersatzlösung zu finden.

– Beerdigungen konnten zwischenzeitlich nur in engstem Familienkreis und am offenen Grab vollzogen werden, inzwischen ist dort die gewohnte Form wieder möglich. Taufen haben wir zunächst pausieren lassen und dann aus den Sonn-tagsgottesdiensten heraus an vielen verschiedenen Orten gefeiert: Im Rhein, mit der Familie allein in der Kirche oder gar im heimischen Garten. So kam es zu vielen sehr festlichen Begrüßungen der neuen Gemeindeglieder. Die meisten Trauungen in unserer Gemeinde wurden verlegt, nur vereinzelt haben Paare in kleiner Form „ihren Tag“ begangen.

– Die Kinder- und Jugendarbeit musste lange mit ihren Präsenzangeboten pau-sieren. Allerdings wurden viele kreative Lösungen gefunden, um im Kontakt mit den Jugendlichen zu bleiben: Von Kindergottesdienst online über Handy-Schnitzeljagden („Actionbound“) bis hin zu gepackten Ostertüten und Ins-tagram-
YouGo – viel Neues und Beachtliches ist in dieser Krise aufgeblüht. Nach der Erstellung eines Hygieneschutzkonzepts durch den Kinder- und Jugendaus-schuss Ende Juni konnte die Arbeit in beschränktem Maß auch wieder „Live“ starten.

– Unser neugewähltes Presbyterium hat sich noch kein einziges Mal persönlich zu Gesicht bekommen. Allerdings haben wir die Arbeit seit April mit Videokon-ferenzen aufrechterhalten. Ausschüsse konnten erst seit Juli wieder tagen.

– Daher kam es zum wohl längsten Besetzungsverfahren unserer Gemeindege-schichte: Ausgeschrieben im Januar konnte schließlich im Juni erfolgreich eine freie Stelle im Gemeindeamt besetzt werden – wir freuen uns über Ute Bachir tals neue Mitarbeiterin, die am 01.08. ihre Stelle angetreten hat (s. S. 12). Für den Publikumsverkehr ist das Gemeindeamt leider aktuell nach wie vor ge-schlossen.

– Die Seniorenfreizeit nach Bad Soden Anfang September wird stattfinden. Das Team hat einige Veränderungen am Programm vorgenommen und das Haus dort bietet aktuell hervorragende und gut angepasste Bedingungen. Ansons-ten mussten sich die Haupt- und Ehrenamtlichen in der Seniorenarbeit auf te-lefonische oder schriftliche Kontakte (s. S. 17) beschränken. Seit Juli nun kön-nen auch die Seniorenkreise wieder tagen – je nach den örtlichen Gegebenheiten. In den Seniorenwohnheimen der Stadt wird wieder Gottesdienst gefeiert.

– Alle weiteren Gruppen und Kreise haben in der Corona-Zeit pausiert und tun dies noch immer – wie z.B. die Behindertenfreizeitgruppe, die Intertatgruppe, die Handarbeitskreise, die Gymnastikgruppen, Gott & die Welt und die Chöre (mit Ausnahme einer dem Proberaum angepassten, kleinen Gruppe von VoCa-pella). Das Interkultur-Café musste seine Pforten schließen, dies wird auch noch eine Weile so bleiben müssen – Ausnahme sind die Beratungsangebote, welche weiterlaufen. Die Kleiderstube hat pausiert und kann seit Juli wieder ihre Pforten öffnen. Geburtstagsbesuche finden nach wie vor leider nur als Glückwunschtelefonate statt. Die Gruppe TreffSicher konnte aufgrund der Gruppengröße vor einigen Wochen ihre Arbeit ebenso wieder aufnehmen wie der Kammermusikkreis.

Sie sehen: Viel Wirbel, viel Ungewohntes und manche Entbehrung in diesen Monaten. Und gleichzeitig auch eine enorme kreative Energie, viele neue We-ge und Möglichkeiten. Das ist unsere Gemeinde im Coronafrühjahr und -sommer 2020.

Jens Römmer-Collmann