Zur Sache mit Gott

Advent … und wieder diese besondere Zeit. Die dunkle Jahreszeit. Es ist kalt geworden. Der November mit den Gedenktagen, die uns mit Tod und Leid kon-frontieren. Die Bäume ohne Blätter, die Gärten mit nur wenigen Farben – winterfest. Irgendwie dunkel eben. Daher zünden wir ja auch so gerne im Advent Kerzen und Lichter an – um es etwas gemütlicher zu machen, diese Dunkelheit. Winterfest aber herzenswarm …

Der Monatsspruch für den Dezember dieses Jahres redet auch von der Dunkelheit, aber eine ganz ohne Kerzen und Lichterketten:

„Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet,
der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.“
Jesaja 50, 10

Kein leichter Spruch – denn wenn das so ist, dass es ganz und gar dunkel ist, dass gar kein Licht leuchtet, nicht einmal ein Lichtstreif am Horizont ist, wie kann man die Kraft finden, auf Gott zu vertrauen und sich auf ihn zu verlassen?

Und manchmal ist es ja so im Leben, dass alles nur noch dunkel, schwer, anstren-gend, traurig und schmerzvoll zu sein scheint. Woher dann Bewegung zur Hoffnung bekommen, Kraft zum Vertrauen, Energie, sich auf Gott zu verlassen? Das Vertrauen auf Gott ist dann ein „trotzdem“. Vielleicht ist es immer ein „trotzdem“, ein Gegenhalten. Gegen die Widerstände, gegen die Ungerechtigkeit, ge-gen die Lieblosigkeit, gegen Krieg und Gewalt, gegen das Dunkel.
Und vielleicht ist es ja so, dass nicht der Lichtstreif am Horizont das Vertrauen in Gott begründet, sondern das Vertrauen in Gott den Lichtstreif überhaupt erst erkennen, ja vielleicht erst entstehen lässt.

Woher also die Kraft zu vertrauen, wenn alles dunkel ist?

– Aus dem „Sich-erinnern“ daran, dass im Dunkel der Armut und Not Gott das Licht der Welt erblickt hat und Licht der Welt geworden ist in einem kleinen Baby im Stall – mag das auch noch so unsinnig klingen.
– Aus dem „Sich-vergewissern“, dass ich im Dunkel nicht alleine bin, weil es diesen einen gibt, der Licht ist und dieses Licht der Welt auch in meinem Herzen geboren ist – mag es auch scheinen, als wäre er weit weg.
– Aus dem „Sich-klammern“ daran, dass nicht alles Dunkel bleibt, weil es einen gibt, der Licht ist, und der alles licht machen wird – mag er auch noch so verborgen scheinen.


Und dann?

– Dann kann Kraft wachsen, auch im Dunkel zu gehen in Richtung auf das, wo man das Licht erwartet.
– Dann kann Trost Raum gewinnen, auch im Dunkel, dass das, was ist zum Besten dienen kann.
– Dann kann Freude groß werden, auch im Dunkel, dass das, was kommt nicht nur gut, sondern wunderbar sein wird.

Und dann können wir vielleicht sprechen und denken und fühlen wie Hanns Dieter Hüsch in einem seiner Gedichte:

Mit fester Freude
Lauf ich durch die Gegend
Mal durch die Stadt
Mal meinen Fluß entlang
Jesus kommt
Der Freund der Kinder und der Tiere
Ich gehe völlig anders
Ich grüße freundlich
Möchte alle Welt berühren
Mach dich fein
Jesus kommt
Schmücke dein Gesicht
Schmücke dein Haus und deinen Garten
Mein Herz schlägt ungemein
Macht Sprünge
Mein Auge lacht und färbt sich voll
Mit Glück
Jesus kommt
Alles wird gut

Christoph Eidmann