Einen schönen Tag wünsch‘ ich Ihnen!

Laudes am Mittwochmorgen in der Maria-Magdalena-Kirche
Ein Erfahrungsbericht

Oh nein, nicht auch noch das Müllauto heute! Mein Zeitpuffer ist eher knapp. Die kleine Autoschlange hinter der Müllabfuhr löst sich aber schnell auf. Angekommen in Rheidt. Die Glocken läuten. Kinder strömen aus dem Schulgottesdienst. Direkt danach beginnen die Laudes, ein kurzes Morgengebet.Ich nicke der Sitznachbarin einen Gruß zu und nehme Platz. Die Liturgie beginnt – und endet – schweigend mit einer Gebärde, einer Form von Gebet. Ich spüre den festen Boden unter den Füßen. Und ich versuche zu erspüren, was mich gerade bewegt an Gedanken, Gefühlen, Stimmungen.

Es folgt ein gesungener Psalm mit oft poetischem Text, fast ein Sprechgesang, mit kurzen Pausen nach jeder zweiten oder dritten Zeile. Das ist zuerst fremd. Wenn ich mich nicht aufs Singen, sondern aufs Zuhören konzentriere, klingt es andachtsvoll. Auch das Singen der Taizé-Lieder – wie Laudate omnes gentes, Meine Hoffnung und meine Freude oder Bless the Lord – verbreitet eine ruhige und gesammelte Atmosphäre.

Nach einem kurzen Bibeltext gibt es ein paar Minuten der Stille. Ich versuche zu meditieren, mich nicht in Gedanken zu verlieren, mich selbst wahrzunehmen.

Nach dem Segen und der Schlussgebärde wünschen sich alle Teilnehmenden einen schönen Tag, dass der Tag gut wird, dass wir den Menschen, denen wir begegnen, offen entgegentreten, dass uns das gegeben wird, was wir heute brauchen, Gelassenheit, Kraft, Einsicht…
Für den Weg in die Maria-Magdalena-Kirche und zurück brauche ich fast doppelt so lange, wie ich dort bei den Laudes bin. Egal. Es tut einfach gut, den Tag so zu beginnen.

Auf der Rückfahrt summe ich im Auto Bless the Lord my soul.

Heidrun Bader