50 Jahre Emmauskirche – ein Blick zurück

Liebe Emmauskirche,

es gibt etwas zu feiern – deinen 50. Geburtstag!

Seien wir ehrlich, für eine Kirche ist das kein Alter. Du bist im Grunde blutjung! Es gab zwar schon die eine oder andere „optische Überarbeitung“ in den vergangenen Jahren – schließlich möchtest du mit der Zeit gehen. Aber die Erholungspause, die dir die Welt gerade gönnt, die hast du eigentlich nicht nötig. Ein buntes, lautes Gemeindeleben – das passt irgendwie doch besser zu dir.

Für Begegnungen und die Gemeinschaft von Menschen, dafür wurdest du nämlich geschaffen – damals, im Herbst 1970. Bis in die Nachkriegsjahre hinein hatten noch Pfarrer der Kirchengemeinde Troisdorf die wenigen evangelischen Familien in Niederkassel versorgt. Gut, ein bisschen erfinderisch musste man schon sein. Gottesdienste feierte man im Kasino der damaligen „Feldmühle“, in der Schule in Ranzel oder in der katholischen Kirche in Niederkassel. Konfirmandenunterricht fand auch mal in einer Scheune oder Gaststätte statt.

Ein Pfarrer allein konnte das nicht mehr schaffen. 1965 erwarb die evangelische Kirchengemeinde Niederkassel ein 3.600 Quadratmeter großes Grundstück an der Berliner Straße zwischen Ranzel und Lülsdorf – Kaufpreis: 54.000 DM.

Hier sollte ein neues Gemeindezentrum mit einer weiteren Pfarrstelle entstehen. Das Presbyterium beauftragte den Ranzeler Architekten Otto Linke mit der Planung, im Juli 1969 starteten die Baumaßnahmen. Zunächst nur für ein Gemeindehaus und die Küsterwohnung. Das war deine Geburtsstunde, Emmauskirche!

Das neue Gemeindezentrum Nord wurde am 25. Oktober 1970 feierlich eingeweiht und Pfarrer Wolfgang Fleischer in sein Amt eingeführt – als Seelsorger für die evangelischen Christen der nördlichen Gemeinde. Er wohnte mit seiner Familie in der Küsterwohnung. Denn das Pfarrhaus gab es noch nicht. Es wurde erst drei Jahre später fertiggestellt und vom neuen Pfarrer Dietrich Leist bezogen.

Man kann dir auch nicht vorwerfen, in irgendeiner Form ungeduldig gewesen zu sein. Auf den von Architekt Linke entworfenen Glockenturm hast du fast 10 Jahre gewartet. Als das neue Schulzentrum nebenan entstand, solltest du aber doch als Kirchenbau zu erkennen sein. Im November 1979 wurden deine drei Glocken im Beisein mehrerer Presbyter im hessischen Sinn gegossen. Ihr Klang ist abgestimmt auf den Klang der Glocken der katholischen Kirchen in Ranzel und Lülsdorf. Als Zeichen der Verbundenheit hatten die Schwesterngemeinden sogar Kollekten für die Anschaffung gesammelt! Den Festgottesdienst, an dem deine Glocken zum ersten Mal klangen, feierte man am 16. Dezember 1979, dem 3. Advent.

Auch bei der Orgel gabst du dich 17 Jahre lang mit einem unspektakulären Elektronikmodell zufrieden. Bei deiner Einweihung fehlte einfach das Geld für Pompöses. Erst als die Töne der Kleinorgel immer schiefer klangen und wirklich nichts mehr zu reparieren war, wurde die Orgelbauwerkstatt Willi Peter in Köln-Mülheim mit dem Bau einer neuen Orgel beauftragt. Die konnte am 11. Februar 1990 in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht werden. Denn feiern kann man mit dir prima, liebe Emmauskirche!

Doch noch funktionierte alles recht gut dank engagierter Geistlicher und willensstarker NiederkasselerInnen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Heimatvertriebene aus Ostpreußen, Schlesien oder Pommern ihren Weg nach Troisdorf und Niederkassel fanden, wurde eine Versorgung der evangelischen Christen schwierig. 1955 baute die Troisdorfer Gemeinde in Niederkassel an der Spicher Straße eine Kirche mit Pfarrhaus. Endgültig aus der Kirchengemeinde Troisdorf ausgegliedert wurde Niederkassel am 1. April 1957. Mit Pfarrer Hans Fuchs erhielt die junge evangelische Kirchengemeinde Niederkassel ihren ersten eigenen Pfarrer. Das Städtchen zwischen Köln und Bonn boomte immer weiter. Neubaugebiete entstanden, auch das Lülsdorfer Chemiewerk zog Familien an – insbesondere nach den Zechenschließungen im Ruhrgebiet. Die Zahl der Gemeindeglieder wuchs rasant.

Apropos – deinen Namen hast du erst zu deinem 10. Geburtstag erhalten. Beim Herbstfest im Oktober 1980 wurde er offiziell eingeführt. Du bist benannt nach dem Ort Emmaus, wo der auferstandene Christus von seinen Anhängern beim Brotbrechen wiedererkannt wird. Sie sind traurig und erkennen nun, dass sie nicht allein sind. „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete?“ (Lk 24,32), fragen sich die beiden Jünger nach ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. Auf deinen neuen, bunten Fenstern ist die Geschichte dargestellt.
Denn du bist immer aufgeschlossen für Neues: 1986 mussten deine ursprünglich flachen Dächer saniert und erhöht werden, seitdem ziert ein Kreuz das Kirchendach. Im Sommer 1997 wurde ein 400 Quadratmeter großer Anbau fertiggestellt – nun ist genügend Platz für alle Gruppen in Erdgeschoss und Keller. Das jüngste Großprojekt sind jene neuen Fenster nach Entwürfen der Künstlerin Rosemarie Vollmer. So wie das Licht der Auferstehung den Jüngern in Emmaus Zuversicht schenkt, so strahlt Helligkeit in den Kirchenraum. Auch hier erleben Menschen Gemeinsamkeit. Die besondere Idee: FensterpatInnen haben einen Teil der Finanzierung mitgetragen. Die neunteilige Fensterfront wurde Pfingstsonntag 2019 eingeweiht. Von deinen ursprünglichen dunklen Bleiglasfenstern hast du dich getrennt – für eine hoffnungsvolle, warme und zeitgemäße Ausstrahlung. Weitere Umgestaltungen folgen – immer in Ausrichtung auf das Leuchten deiner Fenster.
Drei Pfarrer und – darauf sind wir stolz – zwei Pfarrerinnen haben deine Geschicke in den vergangenen Jahren geleitet – gemeinsam mit unermüdlichen Jugendleiterinnen, zuverlässigen Küsterinnen, engagierten PresbyterInnen und anderen fleißigen EhrenamtlerInnen. Von der Eltern-Kind-Gruppe bis zum Seniorentreff bist du für alle da. Du engagierst dich, auch wenn es schwierig wird – wie in der Flüchtlingsarbeit oder jetzt bei der Nachbarschaftshilfe während der Coronakrise. Und es ist schön, mit dir mitzuwachsen, mit dir zu gestalten und zu feiern! Du lässt nicht allein.
Liebe Emmauskirche, so unerschütterlich und unprätentiös wie deine Backsteinmauern bist auch du. Du hast vor kurzem das erste Osterfest ohne Gottesdienst mit deiner Gemeinde erleben müssen.
Nun gehen wir gemeinsam andere Wege. Ein Online-Gottesdienst – wer hätte an so etwas geglaubt im Oktober 1970?!
Was auch kommen mag und wie immer wir dich feiern werden: Zu deinem 50. Geburtstag danken wir dir von Herzen. Du bist ein Stück Zuhause. Schön, dass es dich gibt!
                                                                                                                                                                                           Anne Diercks