Zur Sache mit Gott

Liebe Gemeinde!

Pünktlich zu Pfingsten halten Sie den neuen Gemeindebrief in der Hand. Und das passt – denn an Pfingsten, da steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt.

Was aber feiern wir da eigentlich, an Pfingsten?

Bei den anderen großen christlichen Festen ist das einfacher: Weihnachten, klar, da geht es um die Geburt Jesu – Gott kommt uns Menschen in Jesus ganz nah und zeigt uns seine Liebe. Karfreitag gedenken wir Jesu Tod und Ostern feiern wir seine Auferstehung – und damit das Leben, das stärker ist als der Tod, als alles Dunkle in unserem Leben und in unserer Welt. Was aber hat es mit Pfingsten auf sich?

Pfingsten, war das nicht das Fest mit dem Heiligen Geist? Ja, was war da noch? So fragen sich mittlerweile viele. Dabei geht es an Pfingsten um die Kraft des Miteinanders. Erst das macht unser Leben wertvoll – eingebunden sein in eine Gemeinschaft, die trägt und in der jeder und jede wichtig ist.

Auch zu Pfingsten gehört natürlich eine Geschichte. Sie steht in der Apostelge-schichte im 2. Kapitel.

In Jerusalem ist Shawuot, das Fest der Frühlingsernte wird gefeiert, 50 Tage nach Pessach – und die Stadt ist voller Menschen, die aus aller Welt nach Jeru-salem gekommen waren. Die, die zu Jesus gehörten, aber hatten sich in einem Haus zurückgezogen. Noch immer orientierungslos, und auch ziemlich ratlos, jetzt wo Jesu – nach seiner Himmelfahrt – endgültig weg war. Wie soll es jetzt weitergehen? Wie sollen sie das machen, sein Reich Gottes in die Welt tragen? Dazu kam die Angst vor den Römern und den geistlichen Führern Jerusalems. Dann aber geschieht genau dort etwas Sensationelles, ja Unvorstellbares: Ein Sturm zieht auf. Im Haus. Ja, mitten im Haus. Es tobt und weht und donnert, so dass alle verwundert aufspringen. Und plötzlich sind da Feuerzungen, tanzende Flämmchen, die durch den Raum schweben und sich dann auf den Köpfen der Versammelten niederlassen.

Der Heilige Geist kommt auf die Jünger. Das geschieht Pfingsten. Schwer zu verstehen und noch weniger zu fassen. Denn der Geist weht, wo er will. Aber auch wenn man den Heiligen Geist nicht sehen kann, so sieht man (wie beim Wind) zumindest doch, was er in Bewegung bringt. Die Jünger jedenfalls hält nichts mehr im Haus. Sie sind begeistert im wahrsten Sinne des Wortes. Der Geist Gottes bringt sie in Fahrt, rüttelt sie auf, motiviert sie, macht Mut und sorgt dafür, dass dieselben Frauen und Männer, die eben noch ängstlich beiei-nander hockten, auf einmal mit Energie und Leidenschaft erfüllt sind. Sie ren-nen nach draußen und beginnen in allen Sprachen von dem zu erzählen, was sie begeistert: Mit strahlenden Gesichtern erzählen sie, was sie mit Jesus erlebt haben, predigen sie, was Gott Großes getan hat. Und das Pfingstwunder geht weiter: Sie werden verstanden in den verschiedensten Sprachen – und ihre Worte treffen mitten ins Herz. Am Ende heißt es: „Viele nahmen die Botschaft an und ließen sich taufen. An diesem Tag gewann die Gemeinde 3.000 Men-schen hinzu. Und sie trafen sich regelmäßig und ließen sich unterweisen und lebten in enger Gemeinschaft, brachen das Brot miteinander und beteten.“

Darum feiern wir an Pfingsten auch den Geburtstag der Kirche. Die Kirche – das ist eine Gemeinschaft, die ihren Grund nicht in sich selber hat, sondern die bis heute aus dem Geist Gottes heraus lebt. Manchmal scheinen wir das zu verges-sen, in unseren festen und zum Teil auch festgefahrenen Strukturen. Was wür-de passieren, wenn wir dem Geist Gottes mehr Raum gäben? Da käme Bewe-gung rein und vielleicht auch neue Leichtigkeit. Der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch, der selbst ein Virtuose des Heiligen Geistes war, hat Worte gefunden, die für mich bis heute am schönsten beschreiben, was Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, bedeuten kann. Und auch wenn die Welt sich weitergedreht hat, so sind seine Worte doch immer noch aktuell – und bewegend. Ich wün-sche uns zu Pfingsten, dass auch wir zu Virtuosen des Heiligen Geistes werden! Lassen wir uns immer wieder aufs Neue inspirieren!

Ihre Katharina Stork-Denker

Wie oft hat er uns verlassen,
der Heilige Geist,
das heißt eigentlich,
wir haben ihn verlassen;
wie oft hat er es uns schwer gemacht,
das heißt, wir haben es ihm schwer gemacht;
und es gibt ja auch Tage bei uns,
wo wir ihn wirklich nicht spüren
mit unserem kleinen Menschenglauben,
wo wir ihn uns jedes Mal
aufs Neue erfühlen müssen und glücklich sind,
wenn das Schwere plötzlich in uns abfällt
und der Geist hier bei uns ist
und Probleme sich aus dem Staub machen
und die Menschen wieder anfangen zu lächeln.

Gott ist leicht;
Gott ist nicht schwer,
Gott ist schwierig, ist kompliziert,
ist hochdifferenziert,
aber nicht schwer,
Gott ist das Lachen, nicht das Gelächter,
Gott ist die Freude, nicht die Schadenfreude,
das Vertrauen, nicht das Misstrauen,
er gab uns seinen Sohn, um uns zu ertragen
und er schickt seit Jahrtausenden
den Heiligen Geist in die Welt
dass wir zuversichtlich sind
dass wir uns freuen

dass wir aufrecht gehen ohne Hochmut
dass wir jedem die Hand reichen ohne Hintergedanken
und im Namen Gottes Kinder sind in allen Teilen der Welt
und eins und einig sind
und Phantasten des Herrn werden
von zartem Gemüt
von fassungsloser Großzügigkeit
und von leichtem Gemüt.

Ich zum Beispiel möchte immer Virtuose sein
was den heiligen Geist betrifft
so wahr mir Gott helfe.

Hanns Dieter Hüsch, Das Schwere leicht gemacht, Freiburg i.Br. 1994, 81f