Zur Sache mit Gott

 

 

 

Wohngemeinschaft … Nähe

Freude

Advent … Vorbereitung auf das Weihnachtsfest in der dunklen Jahreszeit. Lichter erleuchten: Lichterketten in den Bäumen und Fenstern, Kerzen auf den Tischen und in den Adventskränzen …

Lichter im Dunkel, um es hell zu machen. Nicht zu hell, nicht zu grell: warm und ge-mütlich soll es sein. Lichte Vorfreude.

Dunkel ist nicht nur die Jahreszeit. Dunkel ist auch so manches, was geschieht auf dieser Welt, was geschieht in unseren Leben. Sorgen über das, was kommt.

  • Der Klimawandel muss gestoppt werden, sonst geht alles kaputt … aber wie, wenn nicht mit mutigen Schritten, die etwas kosten, jeden und jede von uns. Nicht nur Geld, auch Einschränkungen. Eine Ethik des Genugs statt einer Hal-tung des ‚Immer mehr‘. Aber wer will das schon und wer macht es dann auch?

  • Die Migrationsströme, die nicht kontrolliert werden können. Überhaupt: Was für ein Wort: Migrationsströme. Als ob das Flüsse wären, die fließen und die wir entweder in ein Flussbett bringen müssen oder stauen müssen, dass sie nicht zu uns kommen, wie manche meinen. Es sind aber keine Flüs-se. Es sind Menschen: Männer, Frauen, Kinder, ja auch Kinder. Menschen, die fliehen. Nicht weil sie in einem schönen Land Urlaub machen möchten oder lieber ganz entspannt reich werden wollen, sondern weil die Not sie treibt, vertreibt. Verfolgung, Leid, Kampf ums Überleben … Not und Elend, die so groß sind, dass Menschen bereit sind, alles zu verlassen, Hab und Gut und vor allem die Menschen, die ihnen wichtig sind, ihre Familien. Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, weil ein Überleben in der Heimat nicht mehr möglich erscheint.

  • Das Scheitern von Lebensentwürfen. War alles so schön gedacht, so gut geplant, so verheißungsvoll begonnen – aber dann kommt alles anders. Passt nicht mehr. Zu viel an Verletzung, zu viel an Schmerz, zu viel an Enttäuschung …

  • Die Nachricht von Menschen, die uns nahe stehen, die krank geworden sind. Ernsthaft krank. Die Diagnose redet von einer Lebenserwartung von ein paar Monaten. Wie das verkraften? Wie damit leben lernen? Eigentlich mehr noch: Wie sterben lernen? Eine ‚ars morendi‘, eine Kunst zu sterben. Das tut weh … in der Vergänglichkeit, in der wir alle gefangen sind, aber unabweislich.

Ja, Dunkel, so manches. Wir sehnen uns nach Licht. Wir sehnen uns nach Hoffnung. Wir sehnen uns nach einer Kraft und Energie, die uns leben lässt. Wir sehnen uns nach Ideen und Mut … Wir sehnen uns nach Licht und nach Freude …

Woher das Licht der Lichterketten kommt, ist klar: aus der Steckdose! Schalter an und es leuchtet, es wird hell. Woher das Licht der Kerzen kommt ist auch klar: Kerze, Streichholz anzünden und die Flamme an den Docht halten und es leuchtet, es wird hell.

Woher aber kommt das Licht des Herzens? Da hilft keine Steckdose und auch kein Streichholz.
Woher kommt die Freude? Da hilft auch kein Witz, den ich mir zigmal selber erzähle.

Ein Gedicht von Mascha Kaléko:

Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen

Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
Dass Amseln flöten und dass Immen summen,
Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen.
Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht
Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.
Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freu mich, dass ich . . . Dass ich mich freu.

Grundlos vergnügt?

Die Frage nach dem Woher, wenn ich mich eben nicht mehr freue, weil alles so dun-kel ist, bleibt. Ein paar Hinweise nach dem Woher gibt Kaléko ja doch:

Sich an das Schöne und das Wunder niemals gewöhnen, dass alles erstaunlich bleibt und neu.

In sich aufgeräumt und heiter …

… aber auch da die Frage: Wie? Wie in sich aufräumen, die Diele blitzen lassen und das Feuer schüren? Vielleicht: Zur Ruhe kommen, zu sich selber finden, Gebet und Meditation üben, um all das Wirbeln und Stoben in sich stille werden zu lassen …

Eine Antwort auf die Frage nach dem Woher des Lichtes, nach dem Woher der Freude gibt der Monatsspruch des Dezembers dieses Jahres:

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. (Sach. 2,14)

Hoffnung! Hoffnung ist der Strom, die Energie, die das Licht in unseren Herzen und Seelen zum Leuchten bringt. Hoffnung ist das Streichholz, das die Kerzen der Freude in uns entzünden kann.

Hoffnung darauf, dass der, von dem wir alle kommen und zu dem wir alle und alles geht, dass der zu uns kommt und bei uns wohnt, mit uns lebt, in uns ist.

Hoffnung, dass wir getragen sind, auch im Dunkel unserer Zeit.

Hoffnung, dass wir alle, die ganze Welt, von seinem guten Geist durchströmt und getragen ist.

Hoffnung, dass wir nie tiefer fallen können als in seine Hand.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter: Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter, die von der Erde in den Himmel führt.

… weil der, dessen Geburt wir Weihnachten feiern, herabgeklettert ist die Leiter, die vom Himmel auf die Erde führt. Herabgeklettert ist und herabklettert in unsere Herzen, um bei uns zu wohnen.
Lichte Freude … Grund einer sozusagen grundlosen Vergnügtheit.

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.
  Christoph Eidmann