Zur Sache mit Gott

Ein toller Satz, unser Monatsspruch. Der Apostel Paulus hat ihn einmal gesagt, fast 2000 Jahre ist das her. Er spricht voller Überzeugung und Vertrauen von Gottes Nähe – in einem Umfeld, das absolut unwissend und skeptisch war allen christlichen Glau-bensaussagen gegenüber. Einfach, weil der „neue Glaube“ damals in dieser Gegend, in Athen, der großen Stadt der Antike, noch nicht angekommen war. Paulus will die Menschen überzeugen, werben für das Vertrauen auf Glauben an Jesus Christus. Und darum geht er zum Aeropag, dem Ort, der Weisheit, Ästhetik und Toleranz atmet. Ein Felsen in der Nähe der Akropolis, wo Weise Gericht hielten und philosophische Reden gehalten wurden. Jetzt der richtige Platz für Paulus‘ „neue Lehre“. Er will den Griechen beschreiben, was Gottes Nähe bedeutet. Wie sich das anfühlen kann. Da-rum stellt sich der manchmal so eifernde Paulus genau auf die Menschen ein, die er erreichen will. Er geht zu ihrem Ort und versucht in ihren Worten zu sprechen. Werbend eben.

Wie würden Sie heute werbend von der Erfahrung sprechen, dass Gott uns nah ist? Vielleicht so, dass wir von Erlebnissen und Momenten erzählen, in denen wir uns völlig umschlossen von etwas fühlen. In denen wir schlicht begeistert sind. Ein Sommerwald zum Beispiel, in dem ich die Sonne regelrecht riechen kann, es wohltuend ruhig ist und ein leichter Wind durch die Wipfel gleitet. Irgendetwas in mir stellt sich erwartungsvoll ein und auf – jede Faser meines Körpers genießt und staunt. Gott wird zu einem Teil von mir. So ähnlich, wie wenn ich mich auf dem Wasser tragen lasse – besonders im Meer. Die Wellen umspülen mich, Sonne wärmt meine Haut auch im Wasser. Ursprünglich schön ist das, mit den Zehenspitzen zu fühlen, wie es dort unten schon ein, zwei Grad kälter ist. Wie der weiche Sand mir wieder Boden unter den Füßen gibt. Ich spüre, eingehüllt von Gott zu sein, ganz nah und direkt. „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“

Klar ist der Glaube an den Gott Jesu Christi mehr als wunderbare Naturerfahrungen. Und sicher kenne ich auch Gewitter im Wald, Borkenkäfer und vertrocknete Tannen, Stürme auf hoher See und Meeresstreifen, in die ich keinen Fuß setzen mag. Aber wenn ich jemanden begeistern will, werbend von Gott reden möchte, dann gelingt das eben gut mit den beglückendsten Momenten in dieser einzigartigen Schöpfung. Die mich genießen und schlicht staunen lassen: Das alles kann kein einziger Zufall sein!
Ich weiß, wie mich Gutes berührt. Ein Stück Himmel auf Erden, etwas Vollkommenheit in einem Augenblick – ein göttlicher Moment. Wie sich ein Moosbett anfühlt, wie das Meer ist, wie bereichernd es ist, Erkenntnisse aufzusaugen, Freundlichkeit zu erleben und Schönheit zu entdecken. Gott ist nicht fern von mir.
Und ich brauche diese Gewissheit nicht nur, um anderen werbend zu berichten. Sondern auch, um die Unwetter des Lebens, die Stürme des Alltags zu überstehen. Das gelingt mir am allerbesten mit meinen Momenten des Staunens. Göttlichen Augenblicken eben.
                                                                                                                                           Jens Römmer-Collmann